Belfast – Die geteilte Stadt.
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel mache ich mich auf in die Stadt, zuerst zum Tourist-Office, frage nach einer Barclays Bank (bei der ich ohne Gebühren Geld abheben kann – brauche ja Pounds Sterling) und kaufe ein Ticket für eine Bustour für 8 Pfund (Studententarif), begebe mich zur Bank und direkt davor starten die Busse. Ich setze mich also in einen oben aufs offene Deck. Die Stadtrundfahrt führt uns zunächst ans Wasser – kalt und windig, zum Glück habe ich meinen Schal mit und noch meinen Anorak. Wir sehen den Odyssee-Komplex (Discos, Restaurants, riesige Konzerthalle), die Werften und Kräne, und natürlich das riesige Trockendock.
Danach fahren wir noch weiter nach draußen, am George-Best-Belfast-International-Airport vorbei (George Best ist ein bekannter Fußballspieler, der an seinem Alkoholkonsum gestorben ist), zu den Parliament Buildings. Die Kontrolle am Anfang erscheint mir wie eine Farce, denn der Mensch kommt bloß kurz hochgesprungen und ist schon fast wieder weg, ehe ich meine Kamera bereit habe. Wenn sich in dem Bus tatsächlich irgendwas gefährliches befunden hätte, hätte er das vermutlich nicht gesehen.
Das Parlamentsgebäude sieht hübsch aus, gerade bei Sonnenschein, der Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Berge ist ebenfalls sehr nett anzusehen. Auffallend ist eigentlich nur, dass es so weit außerhalb der Stadt liegt und auf der gegenüberliegenden Seite der Troubled Quarters. So waren sie doppelt gesichert.
EIne kleine Statue gibt es auch und ich meine verstanden zu haben, dass es symbolisch dafür stehen soll, was die Abgeordneten im Parlamentsgebäude machen (sollen) – drücken und küssen….. mmmmh…..
Eine weitere Statue zeigt Mr. Carson, der sich für die Teilung in einen irischen Freistaat und ein bei Großbritannien verbleibendes Nordirland aussprach.
Wir fahren wieder in die Stadt und sehen noch einige Gebäude wie das Gericht, den George’s Market, die Anne Cathedral, die in einem Literatenviertel liegt – Ich nehme mir also vor, hier später nochmal vorbeizuschauen. Auf der Shankill-Road steige ich zum ersten Mal aus. Shankill ist das protestantische Viertel von Belfast… Und – kein Wunder – zuhauf britische Flaggen…… Überall….. Und dann noch die Murals, Wandbilder ….. Und die Gedenkstätten, deren Gedenktexte gänzlich unneutral sind…. Ich laufe die Straße entlang und übersehe einen Busstop, laufe zu weit, laufe wieder zurück, bekomme gerade so noch einen Bus…. Wir fahren nur ein paar Meter weiter und sind bereits im katholischen Viertel Falls angekommen… Die beiden Viertel liegen direkt nebeneinander…. Es gibt große Stahltore, die ab 17 Uhr sowie am Wochenende geschlossen werden. (Ich dachte zuerst, ich hätte es falsch verstanden, habe Anne aber abends nochmal gefragt und sie hat das bestätigt. Zudem erzählt sie mir noch, dass sobald ein Marsch genehmigt wird oder die Befürchtung besteht, es könnte etwas passieren, dass dann alle Geschäfte zumachen, überall in der Stadt auch direkt im Zentrum und auch die großen Shops, wirklich alles wird da geschlossen)
Ich steige im katholischen Viertel ebenfalls aus und besuche den Garden of Rememberance, in welchem alles wie gewohnt in Irland auf englisch und auf gälisch geschrieben ist. Das ist das einzige Auffällige in diesem Viertel: Wieder gälische Begriffe. Ich schaue mir die International Wall an und fühle mich ein wenig an Berlin erinnert…….. Ich laufe die Fallsroad wieder nach oben und gehe ins Centre Culturalann, was eine Touristeninfo ist und finde dort eine schöne Karte mit den Murals darauf und eine Karte mit einem Heritage Trail für West-Belfast…… Dann gehe ich zurück an die Bushaltestelle und warte und warte und warte und warte…… angefangen zu warten habe ich 13.05 Uhr……. da war ich bereits hungrig und durstig und wollte zurück ins Zentrum zum Essen……..
14.15 Uhr bewegte sich dann im Schneckentempo eine Prozession die Straße entlang, eine Beerdigung und die Menschen liefen hinter dem in einem Auto aufgebahrten Sarg her. Und hinter der riesigen Verkehrsschlange steckte auch mein Bus fest. (Anne erzählt mir abends, dass auch sie um dieselbe Zeit im Verkehr feststeckte.) Wahrscheinlich sind die durch die gesamte Stadt gezogen *brummel* Ich war echt sauer…. Und weil ich so sauer war, bin ich erstmal in ein Kaffee, habe heiße Schokolade getrunken und einen Scone gegessen und bin dann etwas rumgelaufen, zuerst zu den sogenannten „Entries“, ganz kleine Gässchen zwischen Ann- und High Street, dann zum Smithfield Market, weil ich mir in dem Musikstore, der sich als Experte für irische Musik auf einem Flyer ausweist, erhoffte, eine CD mit Songs in irischer Sprache zu finden. Natürlich hatten sie das nicht.
Dann bin ich durch den Castle Court gelaufen, eine riesige Shopping Mall und habe in einem Laden Postkarten und ein Hugmeez gekauft. (Was ist ein Hugmeez? – Raten erwünscht
)
Und ich habe im Castle Court einen Brezel-Stand gefunden…. jaaaa Pretzeln!!! (Aweful: Rosinen-Zuckerglasur-Pretzeln, Raspberry-Pretzeln, …. und dergleichen Geschmacksverirrungen mehr; Lecker: normale Pretzel – aber längst nicht der Geschmack wie deutsche Bäckereien ihn hinkriegen; und ein Pretzel-Dog (Wurst in Pretzelteig))
Mit dem Essen bin ich nach draußen und habe mich hingesetzt und einem Straßenmusikanten zugehört, welchem ich dann auch mein Wechselgeld aus der Hosentasche gab…
Dann lief ich noch zur Ann Cathedral, die bei Sonne wunderschön aussah und las mir auch den Text auf den Hinweistafeln durch…. Zudem habe ich das Haus des Belfast-Telegraph gesehen, als Medienmenschin muss man das fotografieren! Und auch das Haus des „Newsletter“ – ebenfalls eine Tageszeitung.
Dann lief ich zum Postoffice um noch eine Briefmarke zu kaufen, schreibselte noch schnell eine Postkarte und begab mich dann zurück zum Hotel. Dabei fiel mir auf der gegenüberliegenden Seite ein Mural (Wandmalerei) auf, was ungefähr lautete „You are now entering South Belfast…“ …. Das erinnert mich doch sehr stark an „You are now entering the American Sector“ (von der ehemaligen Sektorgrenze in Berlin)….
Nachdem Anne von ihrem Laufen zurückwar und geduscht hatte, machten wir uns dann fertig, weil wir noch etwas essen gehen wollten. Aber zuerst auf das Wheel, ein Riesenrad direkt neben der City Hall. Ein wunderschöner Ausblick and even better als am Tag!!!!! Ich habe Belfast sowieso alls schöner empfunden bei Nacht als am Tag…. Die ganzen Lichter und alles….. War wirklich toll anzuschauen und dann auch noch von oben! Zudem hatten wir Hintergrundmusik, weil ein Orchester vor der City Hall für ein Konzert heute geübt hat.
Nach dem Riesenrad sind wir weiter gelaufen und waren noch in einem neuen Shoppingcentre, was blau leuchtet und in dem man auch einen schönen Blick über die Stadt hat, wenn man nach ganz oben geht. Heißt Victoria Centre oder sowas in der Art und ist in der Nähe der Waterfront. Der Ausblick ist nicht ganz so schön wie der vom Riesenrad, aber dafür kostenlos ^^
Gefreut habe ich mich, dass ich den Fisch noch gesehen habe und fotografieren konnte, denn ich hatte mir eine Postkarte gekauft und gelesen, dass er von einem Künstler gemacht wurde mit Zitaten aus der Literatur und Fotos von Schriftstellern und Politikern u.ä., um das Verständnis zu fördern. Dann ging es über das Wehr (Weir), was auch gleichzeitig eine Fußgängerbrücke ist, auf die andere Seite. Auf der Brücke hat man auch noch einmal einen schönen Blick auf die erleuchtete Stadt.
Der kleine Fußmarsch hat sich definitiv gelohnt! Und vor allem war ich hungrig geworden.
Dann liefen wir zum Odyssee-Komplex und begaben uns ins La Tasca, eine Tapasbar. Wir wollten ja noch so ein kleines gemeinsames Abschiedsessen haben. Und was für ein Mahl das war!!!! Sehr lecker, aber soooooooo viel. Dazu gab es Sangria….. Ach war das alles herrlich.
In der Konzerthalle nebenan gab Nickelback ein Konzert und wir konnten von unserem Platz dann beobachten, wie die ganzen Menschenmassen nach draußen strömten und guckten den Leuten von oben zu ^^ Sehr witzig
Abends im Bett denke ich noch ein wenig nach…. Die beiden Troubled Quarters hatten auf mich keine bedrückende Wirkung… Sie erschienen so normal….. Leute, die shoppen gehen und auch junge Menschen, die einfach nur die Straße entlang laufen (merkwürdig war in Falls, dass mir dort sehr viele kleinere Grüppchen von Jungs begegnet sind…..)….. Natürlich hatten die Fahnen, die Tore, die Murals, die Gedenkplätze einen traurigen Beigeschmack…. Das ging mir aber auch in Berlin so, wenn man da die Mauerreste betrachtet…… Ich weiß nicht so richtig, was ich von Belfast halten soll….. Beim Aussteigen aus dem Bus in Shankill witzelt der Busfahrer beispielsweise „Ach übrigens, unter dem Sitz da liegen kugelsichere Westen…“ …. Und das Schließen der Tore sowie der Shops ist schon ein Zeichen dafür, dass etwas in der Stadt nicht so ganz in Ordnung ist…..
13.09.
Morgens fahren wir noch schnell zum George’s Market, wo ich dutzend verschiedene Curry-Saucen bei einem Stand finde…. Es ist alles organisch/Fair Trade/Home made u.ä. … und es sind tausende Sachen dabei von Schmuck über Gläser und eben ganz viel Essen……. Nebenbei läuft Musik …. Ein sehr schöner Markt. WIr bleiben allerdings nicht lang, weil wir ja zurück nach Dublin wollen…..