1. Nachtrag: Sligo

Schon etwas her, aber ich war letztes Wochenende in Sligo (19./20. Juli).
Unten könnt ihr Bilder sehen und wenn ihr drauf klickt, gibts sogar zu jedem Bild ne Erklärung, wobei ihr auch gleich ahnen könnt, was ich alles gemacht habe.

Ich bin 9 Uhr am Samstagmorgen mit dem Zug von Dublin nach Sligo gefahren. Dort angekommen, erstmal ins Touristen-Office. Enttäuschung: Der Bus zu dem See, wo ich eigentlich hinwollte, fährt nur Montags, Mittwochs und Freitags. Echt blöd. Habe mir dann erstmal kurz die Stadt angesehen und bin dann mit einem anderen Bus zum Knocknarea gefahren. Das ist ein Berg, auf dem ein Hügelgrab sein soll, angeblich von der legendären Queen Maeve. Leider habe ich niemanden gefunden, der mir diese Legende mal hätte in Ruhe erklären können. Außerdem ist diese Aufschüttung an Steinen noch nie erforscht worden – man weiß also gar nicht, ob da ein Grab drunter ist. Trotzdem bin ich auf den Berg rauf und habe auch der Tradition entsprechend vom Fuß des Berges einen Stein mitgenommen, um ihn oben auf dem Grab zu platzieren. Und auf dem Berg bin ich etwas rumspaziert, habe das Meer gesehen und ein kleines Dorf direkt am Meer von oben….. mmmh, zu gern wäre ich da mal hingegangen, das sah sehr schön aus von oben……

Dann bin ich vom Berg wieder runter und weil kein Bus zurückfuhr, bin ich die Strecke nach Sligo gelaufen. War anstrengend und meine Beine taten weh, aber sooo ewig weit weg war es gar nicht. Dann bin ich noch in einen Pub, habe Postkarten geschrieben (nur 3) und bin dann in mein Hostel zurück (siehe wunderschöne Wolkenformationen). Im Hostel waren mittlerweile zwei Mädels aus Deutschland eingezogen und wir haben noch bissl gequatscht.

Sonntag bin ich dann morgens los, wollte einen Morgenspaziergang machen, bin bis zum Institute of Technology gelaufen, habe auch das Yeats Village gesehen und bin dann wieder in die Innenstadt, dort erstmal gefrühstückt, noch paar Fotos gemacht, dann in die Abbey gegangen und da ansonsten die meisten Sachen geschlossen hatten, habe ich schon 15 Uhr den Zug nach Dublin genommen.

Und abends sind wir dann noch ins Kino zu Sex and the City (Jana, Verena, Jana, Peter und ich).

 

I do it my way, Mum

I’m back.
Ich bin wieder in Irrland.

Donnerstag war ein ganz normaler Arbeitstag. Meine Muffins sind alle geworden und auch mein Brot, offenbar war beides lecker. Ein wenig Melancholie hat mich erneut ergriffen, wohl aufgrund der Erinnerung an den Aufenthalt in Deutschland. Vermisse euch eben doch.

Auf Arbeit… nunja. Wir haben eine neue Praktikantin (Katrin) und noch eine weitere Praktikantin (Erika), die aber schon älter ist und nur hier ist durch ihren Mann (der bei einer IHK wohl Geschäftsführer ist oder so). An der Rezeption gibt es genügend zu tun. Und da Holger Urlaub hat (er kommt Mittwoch wieder), hatte er mir Donnerstag wieder viele Aufgaben gegeben. Viel zu viel.
Aber: I do it my way!

Ich habe beim Auspacken zwischen den kopierten Rezepten eine Karte von meiner Mum gefunden, auf der folgendes steht:

Wege

fordern Bewegung,
machen uns Beine,
sind ausgetreten
oder neu.

Sie führen uns zu
vertrauten Plätzen
oder ins Ungewisse,
sie machen Hoffnung,
bergen Spannung.

Wege verzweigen sich
in Auswege, Umwege,
Irrwege, gerade oder
verschlungene Wege.

Am Ziel jedoch solltest
du sagen können:

I did it my way!

 

Freitagabend waren wir dann noch im Pub gemeinsam und wir haben Michaels Freundin kennengelernt. Abends bin ich mit dem Zug nach Hause gefahren und da waren noch zwei Polen, die auch mit dem Fahrrad da waren und die wurden gerade von einem Bekannten abgeholt mit einem Transporter. Und da haben sie mich gefragt, ob ich auch in Rush wohne und da sagte ich: ja. Und die Frau bot mir an, dass sie mich mitnehmen. Also mein Fahrrad hinten drauf gepackt und uns zusammen vorn reingequetscht. Sie sagten, sie sind aus Polen. Dann haben sie gefragt, wo ich herkomme. Und ich sagte „I’m German. I’m sorry.“ Ich frage mich und grüble bis jetzt, warum ich diese Entschuldigung angefügt habe. In dem Moment wohl, weil alle drei Polen waren und ich eben nicht. Trotzdem verwirrt mich mein „Sorry“ sehr. Ich muss mich nicht für meine Nationalität entschuldigen. Schließlich fühle ich mich in Deutschland zu Hause und wohl, das ist meine Heimat, dort liegen meine Wurzeln, meine Herkunft.
Die beiden Männer konnten nicht so gut English, ich habe sie schwer verstanden, sie haben sich dann auch auf Polnisch unterhalten. Ich habe die Frau dann gefragt, was sie macht. Sie ist erst seit einem Monat in irland und studiert English und Französisch. Sie meinte mit einem Schmunzeln, das sei eine Horror-Kombination. Sie haben mich dann direkt in Rush vorm Post Office rausgelassen und ich musste nur noch die Skerries Road entlang radeln. Es war relativ warm und ich konnte das Meer ganz laut rauschen hören. Sogar noch als ich zuhause war und mein Zimmerfenster vor dem Schlafen gehen geöffnet habe. Es ist wunderbar die Wellen beim Einschlafen zu hören!

Heute habe ich ein bisschen recherchiert, wo ich noch überall hinfahren möchte in Irland, war wieder am Meer (siehe Fotos unten) und gerade eben hab ich meinen Rückflug gebucht:
14. September, Start: 6.40 Uhr in Dublin; Landung: 9.50 Uhr Berlin Schönefeld; Aer Lingus

Das erste Mal in Dublin

Ich konnte gestern leider nicht schreiben. Ihr werdet durch den Eintrag merken, warum.

Wir sind gestern ganz normal aufgestanden, haben gefrühstückt. Ich habe schnell meine Sachen zusammengepackt und dann sind wir nach Dublin gefahren. Anne musste arbeiten, ich hatte ja dann 15 Uhr meinen Termin bei meiner Arbeitsstelle. Sie hat mich an der O’Conell Street ausgesetzt, was direkt an der Liffey liegt (dem Fluss, der Dublin in zwei Teile stückelt, Nord und Süd). Ich bin auf der Südseite geblieben (der Norden soll nicht so toll sein) und bin einfach mal drauf losgelaufen, bis ich ein Schild gesehen hab mit „St Stephens Green“ und weil ich in dem Moment nicht wusste, wo ich mich befinde, bin ich einfach in die Richtung gelaufen. Das ist ein relativ großer Park mit Zughaltestelle und allem und da dacht ich, dass ich von dort auf jeden Fall irgendwo hinfinde. Zwischendurch habe ich dann allerdings das Schild „Tourist Information“ gesehen und bin in die Richtung gegangen und plötzlich stand ich vor meiner ersten Sehenswürdigkeit: Molly Malone.

„In Dublin’s fair city,
Where the girls are so pretty,
I first set my eyes on sweet Molly Malone“

Es ist nicht sicher, ob sie überhaupt gelebt hat, trotzdem existiert diese Sage und man meint, sie hätte tagsüber Muscheln verkauft und nachts wäre sie Prostituierte gewesen.

 

Nach ein paar Fotos bin ich weitergegangen zum Tourist Office, wo ich dann ganz viele Broschüren eingesteckt habe, die ich heute noch durchgehen werde :-)
Danach bin ich in Richtung Trinity College gelaufen (Dublins älteste Uni, sehr traditionsreich) und habe festgestellt, dass ich da vorher schon dran vorbeigelaufen bin ohne es zu merken. Aber das College ist wirklich toll, die haben einen Riesenpark, wo Nachmittags dann ganz viele junge Leute auf der Wiese saßen… Wunderschön, da lässt es sich wahrscheinlich sehr schön studieren, zumal das Gelände so riesig ist, aber eben alles auf einen Haufen, man muss also nicht quer durch die Stadt laufen.

 

Nach dem Trinity College wollte ich endlich mal was essen und habe mich an meinen Reiseführer gehalten, bin in einen Laden rein und bin so erschrocken…. da kostet so ein mickriger Wrap tatsächlich 4 Euro und wenn man Pasta essen möchte, blättert man 6,10 Euro für eine normale Portion hin. Ich bin dann gleich wieder raus und ein Stück weiter zum Subway, weil ich absolut nicht wusste, was ich tun sollte. Im Subway wusste ich wenigstens, was ich kriege. Zwar war da das preiswerteste 3,50 Euro (das vegetarische dingsbums), aber naja… ich habe Ham genommen, das zweitpreiswerteste mit 3,70 Euro. Nunja…. Da man im Laden direkt sich nicht hinsetzen konnte, habe ich in der Grafton Street (auch so bissl Shoppingmeile) eine Sitzgelegenheit gesucht, sah ein Schild fürs Powerscourt Center (elegantes Shoppingcenter) und dachte, dass dort wohl was zum Sitzen drin sein müsste (so wie in der Sachsen Allee in Chemnitz oder so) … falsch gedacht, aber das Center an sich ist eigentlich ganz schön….

Dann bin ich in Richtung Merion Square gelaufen, was in der Nähe vom Fitzwilliam Square ist (wo sich meine Arbeitsstelle befindet) und ich wusste, dass am Merion Square ein Park ist… und glücklicherweise war es ein schöner Park MIT BÄNKEN…..

Habe mein Sub gegessen und kurz über den Merion Square im Reiseführer nachgeschlagen. Dadurch erfuhr ich, dass hier Oscar Wilde gelebt hatte und noch paar andere.

Bin um den Platz gelaufen, um die Häuser zu fotografieren. Wunderschöne Häuser, meiner Meinung nach. So richtig britische Herrenhäuser mit Dienstboten-Eingang im Keller und den berühmten repräsentativen Türen oben.

 

Bin dann schon mal in Richtung Fitzwilliam Square gelaufen und habe mir den Platz angeschaut und das Haus meiner Arbeitsstelle. Hier werde ich also die nächsten Monate arbeiten.

 

Ich war natürlich etwas zu zeitig und bin noch so eine kleine Straße weiter vorgelaufen, wo ich dann ganz viele Läden, Restaurants usw. entdeckt habe, aber die Preise darf man sich da auch nicht angucken.

Dann bin ich wieder zurück und in die Kammer rein. Begrüßt wurde ich von Michaela Harke, die mir auch schon einige Unterlagen gesendet hatte. Dann hat mich Holger Erdmann, mein Praktikumsbetreuer, in sein Büro geholt und mir einiges gezeigt. (Mir vorher aber gleich das Du angeboten, weil sie sich alle duzen.) Ich werde bei ihm im Büro arbeiten, sobald der PC dort wieder aufgebaut ist. Dann hat er mich durch die gesamten Räume geführt und mir einige Mitarbeiter vorgestellt. Unter anderem eine weitere Praktikantin, Jana, die aus Dresden kommt und noch bis Ende Juli da ist. JUHUUU. Es gibt eine kleine Küche mit Mikrowelle und Kühlschrank, Wasserkocher und solche Sachen. *hüpf*
Da Holger nicht so viel Zeit hatte, weil noch irgendwelche Russen sich mit ihm treffen wollten, hat er Michaela nur noch gesagt, dass sie mir meinen Emailaccount einrichten soll, was sie auch gleich getan hat. Und dann habe ich mich noch mit Jana unterhalten. Sie hat mir zum Beispiel gesagt, dass wenn sie Nudeln kocht abends, immer etwas mehr macht und sich dann mitbringt und in der Mikrowelle warm macht. Sie kriegt auch Stipendium und das Kindergeld von ihren Eltern, also genau wie ich. Sie hat mir dann noch das mit dem Zug erklärt und meinte ich sollte in das Travel Center auf der Lower Abbey Street gehen, um dort mal nachzufragen wegen den Tickets. Ich habe das Center gesucht, aber leider nicht gefunden. Dann bin ich zu einer Haltestelle fragen gegangen, der wusste auch irgendwie nichts. Und so habe ich es erstmal sein lassen und werde im Internet noch etwas recherchieren. Aber ich hatte mir von Jana noch im Stadtplan zeigen lassen, wo ich einen Lidl finde und da bin ich hin, um wenigstens ein paar Sachen zu kaufen. (Ich will nicht die ganze Zeit Annes Sachen wegessen, obwohl sie da sehr kulant ist und ich dürfte alles mögliche essen, aber tu ich ja nicht….. )Allerdings hatte ich mir von vornherein vorgenommen, nicht mehr als 10 Euro auszugeben und vor allem nicht mehr als in so ne Lidltüte passen, denn wie ihr gesehen habt, hatte ich meine Handtasche und meine Aktenmappe dabei, die auch schon so schwer genug war (mir taten zu dem Zeitpunkt bereits die Arme weh, da ich einen Tag zuvor den Koffer schleppen musste und dann den ganzen Freitag noch die schweren Unterlagen und Broschüren….).

Im Lidl bin ich dann doch erschrocken wegen der Preise… Aber irgendwas muss ich ja essen!!! Ich habe gekauft: Billigtoast, Billignutella, Billiglätta (komischerweise war die mit weniger Fett die billigste, bei uns ist das doch andersrum???), Salami, Tee, zwei 1-Kilo-Spaghetti-Packungen, ein Glas Pesto. Und bezahlt habe ich dafür 9,05 Euro (mit Tüte, die hat allein 37 Cent gekostet).

Auch wenn es wenig klingt: Der Beutel war verdammt schwer. Schon allein bis zur Haltestelle vom Zug war es extrem schlimm, meine Arme taten so weh. Dann hab ich ein Ticket gekauft und bin zum Bahnsteig, wo ich noch paar Minuten rumsaß, in der Zeit hat es übrigens geregnet, zum Glück hatte ich ein Dach überm Kopf. Nach ner Viertelstunde war das aber wieder vorbei. Ich nahm den Zug 19.20 Uhr nach Rush. Problem: Die Haltestelle ist ja verdammt weit draußen. Als ich in Dublin war, habe ich nicht dran gedacht, dass es einen Bus gibt, der direkt an meinem Wohngebiet halten würde. Blöd wie ich bin, kam ich also 19.50 Uhr bei Nieselwetter an der Zug-Haltestelle an und musste noch ewig laufen. HILFEEE. Anne sagte, es seien 6 Meilen von ihrem Haus bis zur Haltestelle…. Sorry, weiß grad nicht, wie man das in Kilometer umrechnet, aber es ist auf jeden Fall sehr sehr sehr weit…. Ich musste ständig anhalten und die Sachen abstellen. Ein Stück vor mir liefen 3 Jungs, die sich ständig umgedreht haben und lachten. Statt mal stehen zu bleiben und mir zu helfen, haben die mich ausgelacht…. KERLE *kopfschüttel* … Naja, ich hatte es mir ja selbst so ausgesucht. Angekommen bin ich 21 Uhr. Und genau im gleichen Moment kam auch Anne an. Sie fand das gar nicht so toll, dass ich gelaufen bin und hat ständig gesagt „I’m sooo sorry“ und wir haben gemeinsam über meine Blödheit gelacht :-)

Sie meinte dann auch so, dass wenn ich etwas in der Stadt finde, soll ich mich nicht verpflichtet fühlen bei ihr zu bleiben. Aber sie ist „delighted“ dass ich bei ihr bin :-) Sie hat mir dann noch eine kleine Toblerone-Schoko-Packung geschenkt *läschel*

Und sie meinte, sie habe ein Fahrrad, sie würde mir noch den Schlüssel und das Schloss geben, dann könnte ich damit bis zur Haltestelle fahren. Ich will mich ehrlich gesagt nicht auf den Bus verlassen – das hat Jana mir auch geraten – weil nur die großen Haltestellen Busfahrpläne mit Zeiten haben und die kleine zwischendrin nicht und manchmal kommen die Busse gar nicht…. mmmh…..

Ich habe gestern abend noch einen Tee getrunken, bin duschen gegangen und habe eine Scheibe Toast gegessen und bin halb 12 ins Bett. Meine Arme taten so weh und ich war soo müde… ich konnte einfach nicht mehr ins Internet gehen….. Und jetzt tun meine Arme immer noch verdammt doll weh… Aber naja…. ^^ (das werden Muskeln ;-) )

 

Kleines Resumee:
Das Wetter ist schön, im Gegensatz zu dem, was man in Irland erwartet.
Die Leute sind nicht freundlicher als woanders, es gibt solche und solche, es gibt genervte Verkäufer und ernstes Zugpersonal, und es gibt die total supernetten Exemplare wie z.B. meine Anne.
Der Linksverkehr ist so ungewöhnlich, ich komme überhaupt nicht damit klar….
Ich habe nach 2 Tagen noch kein einziges Schaf gesehen.
Allgemein ist es hier aber tatsächlich sehr grün, von der Farbe der Wiesen her und wenn man nicht so genau hinguckt. Denn Irland ist dreckig… richtig dreckig… das hab ich am Strand gemerkt, das hab ich in Dublin gesehen… morgens sind die Fußwege noch einigermaßen sauber und im Laufe des Tages liegt überall mehr Müll herum, Servietten, Verpackungen, alles, die machen sich darüber keinen Kopf und Mülltrennung gibt es ja sowieso nicht. Wenn ich sowas sehe, gefällt mir die deutsche Regelwut und Genauigkeit manchmal doch recht gut….