The North II – Belfast

Belfast – Die geteilte Stadt.
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel mache ich mich auf in die Stadt, zuerst zum Tourist-Office, frage nach einer Barclays Bank (bei der ich ohne Gebühren Geld abheben kann – brauche ja Pounds Sterling) und kaufe ein Ticket für eine Bustour für 8 Pfund (Studententarif), begebe mich zur Bank und direkt davor starten die Busse. Ich setze mich also in einen oben aufs offene Deck. Die Stadtrundfahrt führt uns zunächst ans Wasser – kalt und windig, zum Glück habe ich meinen Schal mit und noch meinen Anorak. Wir sehen den Odyssee-Komplex (Discos, Restaurants, riesige Konzerthalle), die Werften und Kräne, und natürlich das riesige Trockendock.

Danach fahren wir noch weiter nach draußen, am George-Best-Belfast-International-Airport vorbei (George Best ist ein bekannter Fußballspieler, der an seinem Alkoholkonsum gestorben ist), zu den Parliament Buildings. Die Kontrolle am Anfang erscheint mir wie eine Farce, denn der Mensch kommt bloß kurz hochgesprungen und ist schon fast wieder weg, ehe ich meine Kamera bereit habe. Wenn sich in dem Bus tatsächlich irgendwas gefährliches befunden hätte, hätte er das vermutlich nicht gesehen.

Das Parlamentsgebäude sieht hübsch aus, gerade bei Sonnenschein, der Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Berge ist ebenfalls sehr nett anzusehen. Auffallend ist eigentlich nur, dass es so weit außerhalb der Stadt liegt und auf der gegenüberliegenden Seite der Troubled Quarters. So waren sie doppelt gesichert.
EIne kleine Statue gibt es auch und ich meine verstanden zu haben, dass es symbolisch dafür stehen soll, was die Abgeordneten im Parlamentsgebäude machen (sollen) – drücken und küssen….. mmmmh…..
Eine weitere Statue zeigt Mr. Carson, der sich für die Teilung in einen irischen Freistaat und ein bei Großbritannien verbleibendes Nordirland aussprach.

Wir fahren wieder in die Stadt und sehen noch einige Gebäude wie das Gericht, den George’s Market, die Anne Cathedral, die in einem Literatenviertel liegt – Ich nehme mir also vor, hier später nochmal vorbeizuschauen. Auf der Shankill-Road steige ich zum ersten Mal aus. Shankill ist das protestantische Viertel von Belfast… Und – kein Wunder – zuhauf britische Flaggen…… Überall….. Und dann noch die Murals, Wandbilder ….. Und die Gedenkstätten, deren Gedenktexte gänzlich unneutral sind…. Ich laufe die Straße entlang und übersehe einen Busstop, laufe zu weit, laufe wieder zurück, bekomme gerade so noch einen Bus…. Wir fahren nur ein paar Meter weiter und sind bereits im katholischen Viertel Falls angekommen… Die beiden Viertel liegen direkt nebeneinander…. Es gibt große Stahltore, die ab 17 Uhr sowie am Wochenende geschlossen werden. (Ich dachte zuerst, ich hätte es falsch verstanden, habe Anne aber abends nochmal gefragt und sie hat das bestätigt. Zudem erzählt sie mir noch, dass sobald ein Marsch genehmigt wird oder die Befürchtung besteht, es könnte etwas passieren, dass dann alle Geschäfte zumachen, überall in der Stadt auch direkt im Zentrum und auch die großen Shops, wirklich alles wird da geschlossen)
Ich steige im katholischen Viertel ebenfalls aus und besuche den Garden of Rememberance, in welchem alles wie gewohnt in Irland auf englisch und auf gälisch geschrieben ist. Das ist das einzige Auffällige in diesem Viertel: Wieder gälische Begriffe. Ich schaue mir die International Wall an und fühle mich ein wenig an Berlin erinnert…….. Ich laufe die Fallsroad wieder nach oben und gehe ins Centre Culturalann, was eine Touristeninfo ist und finde dort eine schöne Karte mit den Murals darauf und eine Karte mit einem Heritage Trail für West-Belfast…… Dann gehe ich zurück an die Bushaltestelle und warte und warte und warte und warte…… angefangen zu warten habe ich 13.05 Uhr……. da war ich bereits hungrig und durstig und wollte zurück ins Zentrum zum Essen……..

14.15 Uhr bewegte sich dann im Schneckentempo eine Prozession die Straße entlang, eine Beerdigung und die Menschen liefen hinter dem in einem Auto aufgebahrten Sarg her. Und hinter der riesigen Verkehrsschlange steckte auch mein Bus fest. (Anne erzählt mir abends, dass auch sie um dieselbe Zeit im Verkehr feststeckte.) Wahrscheinlich sind die durch die gesamte Stadt gezogen *brummel* Ich war echt sauer…. Und weil ich so sauer war, bin ich erstmal in ein Kaffee, habe heiße Schokolade getrunken und einen Scone gegessen und bin dann etwas rumgelaufen, zuerst zu den sogenannten „Entries“, ganz kleine Gässchen zwischen Ann- und High Street, dann zum Smithfield Market, weil ich mir in dem Musikstore, der sich als Experte für irische Musik auf einem Flyer ausweist, erhoffte, eine CD mit Songs in irischer Sprache zu finden. Natürlich hatten sie das nicht.
Dann bin ich durch den Castle Court gelaufen, eine riesige Shopping Mall und habe in einem Laden Postkarten und ein Hugmeez gekauft. (Was ist ein Hugmeez? – Raten erwünscht :-) )
Und ich habe im Castle Court einen Brezel-Stand gefunden….  jaaaa Pretzeln!!! (Aweful: Rosinen-Zuckerglasur-Pretzeln, Raspberry-Pretzeln, …. und dergleichen Geschmacksverirrungen mehr; Lecker: normale Pretzel – aber längst nicht der Geschmack wie deutsche Bäckereien ihn hinkriegen; und ein Pretzel-Dog (Wurst in Pretzelteig))

Mit dem Essen bin ich nach draußen und habe mich hingesetzt und einem Straßenmusikanten zugehört, welchem ich dann auch mein Wechselgeld aus der Hosentasche gab…
Dann lief ich noch zur Ann Cathedral, die bei Sonne wunderschön aussah und las mir auch den Text auf den Hinweistafeln durch…. Zudem habe ich das Haus des Belfast-Telegraph gesehen, als Medienmenschin muss man das fotografieren! Und auch das Haus des „Newsletter“ – ebenfalls eine Tageszeitung.

Dann lief ich zum Postoffice um noch eine Briefmarke zu kaufen, schreibselte noch schnell eine Postkarte und begab mich dann zurück zum Hotel. Dabei fiel mir auf der gegenüberliegenden Seite ein Mural (Wandmalerei) auf, was ungefähr lautete „You are now entering South Belfast…“ …. Das erinnert mich doch sehr stark an „You are now entering the American Sector“ (von der ehemaligen Sektorgrenze in Berlin)….

Nachdem Anne von ihrem Laufen zurückwar und geduscht hatte, machten wir uns dann fertig, weil wir noch etwas essen gehen wollten. Aber zuerst auf das Wheel, ein Riesenrad direkt neben der City Hall. Ein wunderschöner Ausblick and even better als am Tag!!!!! Ich habe Belfast sowieso alls schöner empfunden bei Nacht als am Tag…. Die ganzen Lichter und alles….. War wirklich toll anzuschauen und dann auch noch von oben! Zudem hatten wir Hintergrundmusik, weil ein Orchester vor der City Hall für ein Konzert heute geübt hat.

Nach dem Riesenrad sind wir weiter gelaufen und waren noch in einem neuen Shoppingcentre, was blau leuchtet und in dem man auch einen schönen Blick über die Stadt hat, wenn man nach ganz oben geht. Heißt Victoria Centre oder sowas in der Art und ist in der Nähe der Waterfront. Der Ausblick ist nicht ganz so schön wie der vom Riesenrad, aber dafür kostenlos ^^

Gefreut habe ich mich, dass ich den Fisch noch gesehen habe und fotografieren konnte, denn ich hatte mir eine Postkarte gekauft und gelesen, dass er von einem Künstler gemacht wurde mit Zitaten aus der Literatur und Fotos von Schriftstellern und Politikern u.ä., um das Verständnis zu fördern. Dann ging es über das Wehr (Weir), was auch gleichzeitig eine Fußgängerbrücke ist, auf die andere Seite. Auf der Brücke hat man auch noch einmal einen schönen Blick auf die erleuchtete Stadt.

Der kleine Fußmarsch hat sich definitiv gelohnt! Und vor allem war ich hungrig geworden.

Dann liefen wir zum Odyssee-Komplex und begaben uns ins La Tasca, eine Tapasbar. Wir wollten ja noch so ein kleines gemeinsames Abschiedsessen haben. Und was für ein Mahl das war!!!! Sehr lecker, aber soooooooo viel. Dazu gab es Sangria….. Ach war das alles herrlich.
In der Konzerthalle nebenan gab Nickelback ein Konzert und wir konnten von unserem Platz dann beobachten, wie die ganzen Menschenmassen nach draußen strömten und guckten den Leuten von oben zu ^^ Sehr witzig :D

Abends im Bett denke ich noch ein wenig nach…. Die beiden Troubled Quarters hatten auf mich keine bedrückende Wirkung… Sie erschienen so normal….. Leute, die shoppen gehen und auch junge Menschen, die einfach nur die Straße entlang laufen (merkwürdig war in Falls, dass mir dort sehr viele kleinere Grüppchen von Jungs begegnet sind…..)….. Natürlich hatten die Fahnen, die Tore, die Murals, die Gedenkplätze einen traurigen Beigeschmack…. Das ging mir aber auch in Berlin so, wenn man da die Mauerreste betrachtet…… Ich weiß nicht so richtig, was ich von Belfast halten soll….. Beim Aussteigen aus dem Bus in Shankill witzelt der Busfahrer beispielsweise „Ach übrigens, unter dem Sitz da liegen kugelsichere Westen…“ …. Und das Schließen der Tore sowie der Shops ist schon ein Zeichen dafür, dass etwas in der Stadt nicht so ganz in Ordnung ist…..

 13.09.
Morgens fahren wir noch schnell zum George’s Market, wo ich dutzend verschiedene Curry-Saucen bei einem Stand finde…. Es ist alles organisch/Fair Trade/Home made u.ä. … und es sind tausende Sachen dabei von Schmuck über Gläser und eben ganz viel Essen……. Nebenbei läuft Musik …. Ein sehr schöner Markt. WIr bleiben allerdings nicht lang, weil wir ja zurück nach Dublin wollen…..

I was sad to leave it all behind me….

Farewell – Abschied – Tränen

Tagesablauf:
1. Verabschiedung von John
2. Busfahrt + Vorbereitung Abschlussgespräch
3. Ankunft in Kammer gegen 10.50 Uhr
4. Aufräumen meines Schreibtischs + Sortieren von alten Unterlagen
5. Desktop aufräumen
6. Abschlussgespräch mit Holger (12.30 Uhr)
7. Letztes Mal Essen bei Beshoffs (Fish+Chips) – gegen 13.45 Uhr
8. Dublin Writers Museum
9. Einkaufen für abends (Trinken)
10. Farewell-“Dinner“ in der Chamber (ab 17.30 Uhr)
11. Pub (ab 19.00 Uhr)

John (Fitness Centre) + me:

Holger + me:

Katrin + Peter (+ Patrick):

Verena:

Howth, Guinness ….. und danach (der Grund, warum ich nicht nach Kilkenny gefahren bin)

Wir sind gestern nach Howth gefahren, eine Halbinsel etwas nördlich von Dublin, liegt also zwischen Dublin und Rush: Annette, Katrin, Peter und Andreas – ein Kumpel von ihm, der grad auf Besuch hier ist – und ich.

Das Wetter war nicht das beste, aber es war trocken und auch relativ warm – den Pullover habe ich nur angezogen, weil es direkt am Meer einfach zu windig war. Wir sind ein kleines Stück gewandert, weil wir eigentlich zu einem Leuchtturm wollten. Später mussten wir feststellen, dass man den Leuchtturm gar nicht betreten kann, weil er auf Privatgelände liegt, was abgesperrt ist. DIe Wanderung war trotzdem sehr schön, die Landschaft ebenfalls, auch wenn nach Inis Mor sowieso nichts mehr mithalten kann…..

 

Nach der Wanderung sind wir ins Dorf zurück gefahren und haben Fish&Chips gegessen und sind noch auf der Mole ein Stück gelaufen. Und da kam die Sonne dann noch etwas raus und als sie wieder verschwand gab es interessante Lichtspiele, allerdings sehen sie auf den Foto nicht so beeindruckend aus wie in Natura.

Nach dem kurzen Molenrundgang sind wir wieder mit dem Bus zurück in die Stadt gefahren, haben die Luas genommen und sind noch ins Guinness Storehouse. Das war auch sehr interessant, besonders toll fand ich das Glas-Atrium, was die Form eines Pints hat….  und die Gerste am Anfang, die man sogar anfassen kann, hat soooo stark gerochen… Der Geruch hat mich an das Heu meiner Meerschweinchen erinnert. (Was ja nicht so weit hergeholt ist.) Und auch die geröstete Gerste…. da war ich echt überrascht: Die roch nach Kaffee!!! Und das Guinness zum Abschluss hat dort oben mit Ausblick auf die Stadt sehr gut geschmeckt. Allein dafür lohnt es sich eigentlich ins Guinness Storehouse zu gehen……

Nach dem Guinness Storehouse sind wir dann auf ein Pint ins Porterhouse…. und dann wollten die Jungs noch was essen, wir sind mit. Und dann sind wir ins Fitzsimmons. Remember: Ganz am Anfang meines Irlandaufenthaltes war ich absolut nicht begeistert davon, da war ich mit Jana direkt nach einem Händel-Konzert dort und es war extrem laut, unatmosphärisch und die Frauen einer Hen-Party haben so extrem laut gelacht…. Das war absolut nicht toll.

Aber gestern abend…. da war Live Music und die haben echt gute Musik gespielt und auf dem oberen Floor kam richtige gute Musik zum Tanzen. Und weil es echt toll war und Spaß gemacht hat und alles, habe ich dann meine Pläne über Board geworfen und nicht wie geplant meinen letzten Bus nach Hause genommen, sondern bin geblieben……. bis um 3!!!! Und habe dann meinen letzten Nachtbus nach Hause genommen, lag halb 5 im Bett.

Und ich finde, es war eine gute Entscheidung. Natürlich wollte ich gern Kilkenny sehen. Es ist aber eine Stadt. Und die kann ich auch später nochmal besuchen, da steht sie sicher immer noch. Mit den Leuten von gestern nochmal in Dublin so zu feiern…… ? Das kommt einfach nicht wieder. Und ich habe schließlich nur noch 2 Wochen…… Es war ein toller Abend und eine weitere tolle Erinnerung.

Im Übrigen: Nachtbus-Fahren in Dublin muss man sich auch unbedingt ein Mal im Leben antun. Soooooooo geil, auch wenn es am Anfang fast ne Schlägerei gegeben hätte. Rubbish! Stupid Guys! Jedenfalls haben die dort gesungen und es war wirklich ne gute Stimmung…. Sehr lustig :-)

Alles in allem ein sehr schöner Tag.

PS: Etwas weniger als 2 Wochen und ich bin back at home.

Waterford

Gestern habe ich ja Urlaub genommen und war in Waterford. Leider habe ich den Großteil des Tages nur in Öffentlichen Verkehrsmitteln zugebracht. Der Zug braucht tatsächlich 2einhalb Stunden bist dahin, obwohl es – meiner Meinung nach – ja doch etwas näher liegt als Galway…. Der Bus, den ich zurück genommen habe, hat stattliche 4 Stunden gebraucht…….

Waterford wurde mir zuvor gesagt, sei keine schöne Stadt, Industriell geprägt….. Tatsächlich wirkt sie nicht so schön und einladend wie beispielsweise Galway oder das kleine, süße Sligo. Allerdings finde ich nicht, dass die Stadt sooooo hässlich ist. Allerdings habe ich auch nicht sooo vie von ihr gesehen.

Ich bin gleich mit dem Bus an den Stadtrand gefahren zur Waterford Kristall-Manufaktur. Und davon war ich schon beeindruckt. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall, es ist sehr interessant. Und ich wusste vorher auch gar nicht, wo Waterford Crystal überall eingesetzt wird, beispielsweise bei den Trophäen für die Formel1-Fahrer! Der Ball den ihr auf Bild + Video seht, ist der Millenium Ball der so am Times Square in New York zu Sylvester zu sehen ist.

Nach dem Manufakturbesuch war ich noch im Reginald’s Tower – nicht soooo spannend, aber ich habe ja meine Heritage Card und so kam ich kostenlos rein. Und ich war in der Christ Church Cathedral Waterford. Sah ganz hübsch aus, aber musste dann schnell zur Bus Station. Dort habe ich dann eine Limousine gesehen, die nach dem Weg fragen musste ^^

Und im Übrigen ist/war dieses Wochenende irgendwie so ein Spiel im Rugby oder irgendwas und deshalb war ganz Waterford in Blau-Weiß, überall hingen tausende Fahnen…..

 

 

PS: Heute fahr ich nach Howth und morgen nach Kilkenny. Erwartet keine Beitrage. Frühestens Montagabend.
PS2: Nur noch 2 Wochen und 1 Tag.

Incredible 2 – Inismore (Arann Islands)

Sonntag, 17.08.2008

Als ich aufwache, kann ich es kaum fassen: Die Sonne scheint! Zum Frühstück gibt es Muffins, Toast, Tee, Milch. Dann packe ich in Ruhe meine Sachen. Mein Rucksack ist noch nicht wirklich trocken, ebenso meine Jeans. Da es so schön warm und trocken ist, stelle ich mich schon fünf vor um 9 vors Haus und warte auf Ronan und Mo. Wir hatten ausgemacht, dass sie mich um 9 abholen. Allerdings hatte mich Ronan gleich gewarnt: „But remember, I am Irish.“ Soll heißen, Pünktlichkeit sollte ich nicht unbedingt erwarten ^^ Fünf Minuten nach um 9 erhalte ich eine SMS „Don’t worry, we are on our way now“ und muss gleich läscheln…. Noch hatte ich nicht begonnen, mir Sorgen zu machen ^^
Dann sind sie irgendwann da, ich will ins Auto steigen und überall liegen kleine Ampullen mit roter Flüssigkeit rum. Sehr ungewöhnlich. Ronan schiebt alles zur Seite und meint nur „Oh, just Blood Examples“. Dann machen wir uns auf den Weg in Richtung Rossaveal. Da sie am Abend vorher erwähnt haben, eine Fahrradtour machen zu wollen, frage ich, ob ich mitkommen kann und sie haben kein Problem damit. Wir stellen allerdings fest, dass wir auf unterschiedlichen Booten sind, weil wir bei verschiedenen Firmen gebucht haben. Aber auch das ist kein Problem. Wir stehen noch am Pier und Ronan zeigt uns auf der Karte die größte Stadt der Insel. Wir lesen „Kilronan“ und Ronan witzelt „Jepp, Kill me“ und meint dann, dass wir ihn auf der Insel Michael nennen sollen, nicht Ronan ^^
Wir steigen in unsere Boote und los gehts. Die Wellen sind ganz schön hoch, der Wind zerwuschelt meine Haare, ich rieche das Meer, ich atme, ich bin glücklich.
Die beiden Jungs kommen vor mir auf der Insel an und sitzen bereits im Pier House (kleines Café), als ich ankomme. Wir trinken Tee und essen Scone, wärmen uns etwas auf – war ja sehr windig auf See. Ich läschle einfach so, weil ich happy bin hier zu sein. Ronan sieht mich läscheln und fragt, warum ich das tue und ich sage, es sei nix. Dann begeben wir uns ins Hostel, damit ich mir mein Zimmer sichern kann. Ich habe Glück, denn es ist das letzte freie Bett. Ich schaffe meine Sachen hoch, packe alles aus und packe meinen Rucksack wieder mit den wichtigsten Sachen. Als ich rauskomme, regnet es. Wir entscheiden uns trotzdem für die Fahrradtour, Mo und ich nehmen aber noch ein Regencape, was sich als sehr gut herausstellt. Zwar sind wir nach zwei Minuten Fahrt bereits pitschnass (zumindest unsere Hosen), aber es ist ok…. Die Landschaft ist beautiful, gerade mit dem Regen, der über den Feldern und Hügeln liegt und es passt einfach alles…. Es ist gut so, wie es ist. I enjoy it very much und ich bin froh, dass wir die Fahrräder genommen haben…. Ich läschel…. Es wäre einfach nicht dasselbe gewesen im Bus…. Das Gefühl, die Natur spüren, der Regen im Gesicht, der Winde, das Rauschen des Meeres, … alles….. Im Bus hätte ich es nie so intensiv erlebt.
Wir fahren in Richtung Dun Angus, einem Ringfort am Rand hoher Klippen. Im Touristencentre am Fuß des Berges lesen wir kurz auf den Tafeln ein wenig über die Geschichte des Forts. Als wir den Aufstieg antreten, hat es aufgehört zu regnen. Es ist windig, aber es ist warm und ich genieße die Umgebung… Wir schauen aufs Meer – auf beiden Seiten! – wir schauen auf Steine, wir schauen auf Grasflächen…. Ich läschel wieder und Ronan sieht es again und meint etwas in der Art wie, dass ich in meiner eigenen Welt bin und ständig läschel…..
Oben ist es noch viel windiger, aber ebenso wunderbar…… Wir können direkt bis an den Rand der Klippen laufen. Als ich am Rand der Klippen liege, mich festhalte und nach unten schaue, direkt in die Brandung und den Wind und den Druck und die Meerluft spüre, habe ich das gleiche Gefühl, wie vor fast 6 Jahren, als ich an den Niagara Fällen stand und der Druck, der durch das Wasser entsteht, mir fast den Atem nahm…… Dieses Gefühl, was ich immer in mir trage, und hier auf dieser Insel wieder das gleiche…….  So etwas kann mir keiner nehmen… und es kann keiner nachempfinden, ich kann es auch nicht beschreiben, so etwas musst Du selbst spüren…………… Es ist unglaublich.
Wir schauen uns ein wenig um im Fort, die Steinmauern haben eine interessante Struktur. Wir fotografieren viel. Dann laufen wir wieder nach unten, wir wollen noch zu den Seven Churches, strampeln einen Berg hoch, es ist anstrengend für mich, natürlich bin ich langsamer als die Jungs. Oben muss ich erstmal durchatmen – es hat wieder angefangen zu regnen. Ronan versucht sich bei mir zu entschuldigen, er meint „I’m sorry if it’s not what you expected by coming here“ … Und ich versuche ihm klar zu machen, dass ich es absolut nicht bereue, dass es wunderbar ist so wie es ist….. Den Berg wieder runterzurasen, den Wind und Regen im Gesicht – das war es wert den Berg auch hochzuradeln!
Wir fahren einen anderen Weg nach Kilronan zurück, direkt an der Küste lang, der ist auch etwas weniger hügelig. Es regnet nicht mehr, es ist nur sehr windig…. Ich läschel die ganze Zeit und erkläre Ronan wieder, dass es genauso gut ist, wie es ist und läschel und bin glücklich und sage ihm auch, dass ich happy bin und er meint: „You are the happiest German I ever met.“
Wir kommen in Kilronan an und essen bei Supermacs (sowas wie McDonalds) – ich kann es gar nicht glauben, dass die sowas auf der Insel haben!!!!!! Dann müssen die Jungs zu ihrer Fähre, ich bringe sie zum Boot, gebe Mo noch meine Mail-Adresse und dann sind sie weg und ich bin allein…… Anja allein auf Arann…..
Ich gehe zurück, gehe noch ins Touristenoffice und frage, ob Boote zu einer der anderen Inseln gehen. Sie können es nicht sagen und bitten mich am nächsten Tag wieder zu kommen. Ich laufe zum Aran Sweater Market, da ich mir schon bevor ich nach Irland kam, vorgenommen hatte so einen Pullover zu kaufen…. Ich finde im Markt auch einen schönen, allerdings gibt es ihn nicht in meiner Größe…. Ich rede mit der Verkäuferin, sie meint, man könne auch über das Internet bestellen und schreibt mir die Daten auf….. Ich schaue mich noch ein wenig um…. und dann , keine Ahnung, wie ich plötzlich darauf komme, frage ich die Verkäuferin, ob die Pullover denn auch alle auf den Inseln produziert sind und sie antwortet direkt „No, they are produced in Cork and County Clare.“ …. und ich …. kann es nicht fassen, bin sprachlos und stotter nur etwas von „lokal persons“ und die Frau meint nur, es gebe tatsächlich noch Leute auf der Insel, welche die Pullover selbst herstellen, aber sie kann mir niemanden nennen….. Und ich gehe aus dem Laden mit einer Mordsenttäuschung in mir…. Das erste Mal seit zwei Tagen, dass ich enttäuscht von etwas bin…… Ich gehe zurück ins Hostel, nehme eine richtig warme Dusche und räume mein Bett leer…. Dann schnappe ich mir meine Reiseführer und begebe mich nach unten in die Küche und den TV Room, mache mir einen Tee und treffe auf Shannon, eine Kanadierin, in meinem Alter ungefähr, die in Irland herumreist. Wir unterhalten uns nett und beschließen dann zusammen in die American Bar zu gehen, weil wir wissen, dass dort irgendwie Live Music sein soll. Ist auch, drei Brüder, der älteste vielleicht 12, spielen Akkordeon, Fiddle, Flöte, Gitarre!?, Bodhram und singen – auch auf gälisch – und es ist wirklich ganz nett. Dann gehen wir ins Hostel zurück und gehen ins Bett.
Montag, 18.08.2008
Ich wache auf, weil die Französinnen im Zimmer zeitig aufstehen, um die Fähre zu nehmen. Es ist gegen 8 Uhr und ich muzel noch ein wenig vor mich hin. Viertel nach 8 stehe ich auf, ziehe mich an und begebe mich nach unten zum Frühstück, was im Preis included ist. Shannon kommt dann auch, sie will heute die Fahrradtour machen, die ich einen Tag zuvor absolviert habe. Wir tauschen noch Emailadressen aus, dann macht sie sich auf den Weg, ich gehe nach oben und packe meinen Rucksack. Dann gehe ich nach unten und frage Marco, den Rezeptionisten des Hostels, ob er weiß, wo ich einen Aran Sweater kaufen kann, einen real Aran Sweater. Und er kann mir nicht helfen, allerdings sagt er, dass halb 11 der Pub nebenan aufmacht, dessen Besitzer sicherlich etwas weiß. Ich laufe in der Zwischenzeit etwas umher, es ist sehr still, die ganzen Touristen sind noch nicht da, …. Einsam am Pier…. Der Geruch des Meeres…….. Ich liebe es!
Marco und ich gehen zu Steve, dem Pubbesitzer, und er meint, „Ja, Mary O’Flaherty“ und zeigt mir auf der Karte, wo das ist……. und ich laufe los, brauche eine Stunde bis dahin, aber es ist schön, es ist warm, die Sonne scheint und ich laufe durch eine tolle Landschaft….. Und dann komme ich bei Mary an…. und unterhalte mich mit ihr…. und erkläre ihr, dass ich total enttäuscht war von den Pullovern unten im Dorf und ich probiere verschiedene Pullover an und finde auch einen schönen…. und sie erzählt ein wenig….. Das mit den Touristen und alles ist in den letzten fünf Jahren immer schlimmer geworden…. Ich meine zu ihr, dass ich richtig geschockt war, als ich von der Fähre kam und die Busfahrer durcheinander schrien, ob ich nicht eine Bustour machen möchte…. Richtig agressiv… und Mary meint, das die Busfahrer selbst sie ansprachen, ob sie nicht eine Bustour machen möchte, wenn sie von der Fähre kommt, obwohl Mary ja keine Unbekannte ist auf der Insel……
Ich bin glücklich und laufe strahlend nach Kilronan zurück – wiederum eine Stunde. Dann mache ich mir Mittag und treffe auf Sina, eine Deutsche, die im Hostel arbeitet…. Wir unterhalten uns ganz nett und sie beschreibt mir einen Weg zum Black Fort, einem zweiten Fort auf der Insel, wo aber kaum jemand hinkommt, weil man nicht mit dem Bus hinkommt und weil die meisten Touristen sich nur auf die ausgeschilderten Sachen konzentrieren….. Ich laufe also los, biege nach einem kleinen Strand einen Feldweg ab und laufe den Berg hoch… Der Weg ist steinig und schwer……. nein im ernst, der Weg ist wirklich voller Steine ….. Und oben laufe ich auf das Fort zu… und bis an die Klippen und….. it’s so beautiful… Just me, the waves, the cliffs and nothing else…… Nur ich, die Wellen, die Klippen….. Ich lache, ich schreie, ich jubel, ich atme……….. Und bin einfach nur glücklich…… Ich fotografiere unglaublich viel… aber das muss auch sein, hier an diesem unglaublichen Ort….. ich würde gern ewig hier bleiben…… alles ist so unbedeutsam… ich sitze da, ich laufe an den Klippen entlang….. ich denke nach…  ich denke daran, was ich auf Arbeit zu tun habe, ich denke daran, was ich eigentlich noch alles nebenbei erledigen müsste……. und dann schiebe ich all das beiseite, denn es ist in dem Moment so unwichtig, alles außerhalb der Insel ist egal….. it doesn’t matter…… because es ist nur der Augenblick, der gerade zählt und ich genieße es….. ich genieße es, nur auf die Wellen zu sehen und zu atmen, zu leben…… Das Paradies auf Erden…. Der schönste Fleck, den ich in meinem Leben bisher gesehen habe…… The best place ever…….
Nach 3 Stunden wird es langsam doch ganz schön kalt und es dämmert schon ein wenig und so laufe ich dann doch wieder nach unten, auch wenn ich dort oben wirklich ewig hätte bleiben können…..  Sina sitzt mit ihrer Kollegin vor dem Hostel auf der Mauer…. ich setze mich dazu… sie bietet mir ein Cider an, was ich dann auch dankend annehme ^^ Irgendwann kochen wir…. die Soße sieht lecker aus, dann passiert das Missgeschick: Als Sina das Salz nimmt, geht der Deckel ab … und natürlich kommt viel zu viel Salz in die Soße….. Valerio – ein mit Sina und Marco befreundeter Italiener, der im Aran Sweater Market arbeitet – kommt auch noch vorbei und versucht die Soße zu retten – vergeblich! Am Ende ist die Suppe extrem scharf, salzig und knoblauchig….. Wir trinken noch Rotwein und reden und reden und es ist um 2 als ich ins Bett gehe… vorher gebe ich Sina noch meine Emailadresse. Oben wecke ich alle im Zimmer auf, kann meine Sachen nicht mehr packen, finde meinen Wecker nicht und die eine Amerikanerin stellt für mich ihren….. Ich falle totmüde ins Bett.
Dienstag, 19.08.2008
Um 7 klingelt der Wecker, ich stehe auf und mache mich fertig, packe meine Sachen und gehe kurz vor 8 nach unten. Um 8 wird die Küche aufgemacht. Ich stecke die Batterie meiner Kamera an die Steckdose. Ich schmiere mir schnell mein Baguette, würge mir noch Toast hinunter und laufe los. Ich will auf die Fähre und die meinen „Right boat, wrong ticket“ …. es ist die andere Firma… und ich Tollpatsch habe mir 8.30 Uhr als Uhrzeit eingeprägt gehabt, meine Company ist aber schon um 8 gefahren…… Ich stehe da…. und dann meint einer: „Komm schnell rauf“ … und nimmt mein Ticket… und ich sitze in der Fähre…… und denke nach…. und plötzlich…. fällt mir meine Batterie wieder ein….. ich renne los…… und am Ende des Piers denke ich mir: Warum rennst du eigentlich? Warum hast du es so eilig? Ist doch egal, it doesn’t matter!!!!!! Und schlender gemütlich zum Hostel zurück….. Oben auf der Mauer sitzt Valerio…. und ich zucke nur die Schultern und meine: Meine Batterie steckt noch am Strom. Und oben aus dem Fenster guckt Marco und schaut mich fragend an und ich erkläre dasselbe…. und er lacht….. Ich gehe in den Aufenthaltsraum, stelle meine Sachen ab und mache mir eine warme Milch – ich habe ganz schöne Halsschmerzen, deshalb. Ich gehe nach draußen und setze mich zu Valerio auf die Mauer…… und es ist wunderbar. Auf den kleinen Hafen schauen, die Ruhe (keine Touristen!), das Meer……. Immernoch alles so unbedeutsam……. Und etwas weiter draußen sehe ich die Fähre schippern und ich wunder mich über mich selbst…. die Planvolle, die immer doppelt checkt, wann denn nun die Verkehrsmittel starten……. und gerade ich…. verpasse die Fähre, vergesse die Batterie……. Ich frage mich, ob das ein Zeichen ist……… Vielleicht macht das die Insel mit dir, dass es egal ist, ob du nun morgens fährst oder erst mittags……

Als Marco später wieder in der Küche ist, meint er zu mir, dass er glaubt, ich will gar nicht gehen………. Ich lache nur und denke: Eigentlich hat er Recht.

So sitze ich abwechselnd auf der Mauer und im TV-Raum und trinke Tee und schaue aufs Meer und genieße die Sonne und erfreue mich an meinem Aran Sweater, den ich an habe, und freue mich überhaupt über alles…… ich läschle und bin glücklich.

Um 12 Uhr legt die Fähre ab. Auch diese Überfahrt ist wundervoll und gleichzeitig von starker Melancholie geprägt. Ständig schaue ich zurück zur Insel und will am liebsten, dass das Schiff wieder umdreht. In Rossaveal steige ich dann in den Bus und bin froh, dass keine Musik läuft. Ich denke nach und bin traurig, ich sehe die Landschaft, doch etwas in mir……. will zurück, zurück an diesen wunderbaren Ort so weit im Westen Europas, entfernt von all dem, was manchmal Nerven raubt…… In Galway gehe ich ins City Museum, aber kann mich nicht so richtig konzentrieren, denn ich bin sehr müde…. Ich laufe hin und her…. dann gehe zum Eyre Square und stolper über das kleine Touristenoffice dort. Ich frage, was ich innerhalb von 2 Stunden noch per Fuß erreichen kann und sie erklärt mir, wo ich das Castle finde, die Kathedrale und Nora Barnacles Haus…… Ich laufe zu Lynchs Castle und stelle fest, dass ich schon mehrere Male daran vorbeigelaufen bin… Heute ist eine AIB-Bank darin, darum war es mir gar nicht so aufgefallen…… dann laufe ich in eine kleine Gasse und finde Nora Barnacles Haus, total grau und unscheinbar, nur die blaue Tür sticht hervor….. Nora Barnacle war die Frau von James Joyce…… Dann laufe ich zur Kathedrale….. Sie ist zwar längst nicht so beeindruckend wie die in Fourvière in Lyon, wo ich im letzten Jahr war, aber sie ist auch schön….. die Orgel ist groß…….. dann laufe ich auf den Ausgang zu… und sehe zu meiner Linken die Kerzen…… und irgendwie – ich weiß nicht warum, ich weiß auch nicht, warum gerade in Galway in Irland – aber ich muss an Herrn Fischer, meinen ehemaligen Kunstlehrer, denken, der letztes Jahr im August gestorben ist……. und ich zünde eine Kerze an…… und stelle sie auf einen der Ständer…. und muss auf einmal weinen und setze mich kurz und weine und weine………. Und als ich aufhöre zu weinen, gehe ich nach draußen und begebe mich zurück und gehe zum großen Touristenoffice, wo ich meinen Evaluationsbogen abgebe und nach einer Fotoausstellung im Corbett Court frage, die mir Ronan per SMS noch empfohlen hatte….. Leider finde ich sie nicht und setze mich dann geschafft am Eyre Square auf eine Park Bank und warte auf meinen Zug……
Ich sitze im Zug…. ich will eigentlich schlafen, weil ich extrem müde bin…… Aber zwei Spanier setzen sich neben mich und ich unterhalte mich mit ihnen….. Antonio heißt einer von ihnen, Rodrigo der andere…….. wir unterhalten uns sehr nett….. und als wir in Dublin aussteigen und ich dann doch einen Bus nehmen will, überlege ich noch, ob ich ihnen meine Emailadresse gebe, tue es nicht… und sie sagen auch nichts weiter außer tschüss…… mmmh… hinterher ärgere ich mich ein bisschen…… Ich laufe an der Liffey entlang, steige dann in einen Bus zur O’Connell Street, steige dort aus, laufe zu meiner Haltestelle und erwische noch den 21.30 Uhr Bus….. 22.30 bin ich zuhause und falle ins Bett…….. ich strahle, bin glücklich und schlafe läschelnd ein.

Incredible 1 – Galway, Burren, Cliffs of Moher

Freitag, 15.08.2008Gepackt habe ich bereits am Donnerstagabend. Holger lässt mich freundlicherweise eine halbe Stunde eher gehen, damit ich meinen Zug nach Galway rechtzeitig erreiche. Ich steige an der Pearse Street in den Bus, fahre bis zur Heuston Station (ja, das wird tatsächlich wie „Juuustn wir haben ein Problem“ ausgesprochen). Ich kaufe mein Ticket und laufe zum Bahnsteig… Was für ein alter Zug, organge, sieht heruntergekommen aus. Eingestiegen, Platz genommen und auf geht’s in Richtung Westen. Trotz Müdigkeit bleibe ich den größten Teil der zweieinhalbstündigen Fahrt wach… Irland ist so grün, Irland ist wunderschön, auch und gerade mit Regen… Ich steige in Galway aus dem Zug – es regnet – und begebe mich aus dem Bahnhofsgebäude, steige in ein Taxi – ein B&B habe ich bereits reserviert, da ich ja so spät abends ankomme. Um 9 Uhr klingel ich an der Tür, eine ältere Dame macht mir die Tür auf, wir verabreden das Frühstück für 8 Uhr am Morgen. Ich falle todmüde ins Bett.

 

 

Samstag, 16.08.2008Zum Frühstück gibt es Scone und Toast und Cornflakes und Obst und Tee. Dann packe ich meinen Rucksack und laufe los. Es gib einen Weg direkt neben den Schienen mit einer Brücke über den Fluss und ich erreiche innerhalb von 15 Minuten Fußweg Galways Innenstadt. In dieser Zeit hat es im Übrigen sehr geregnet, mein Rucksack ist etwas nass, meine Jeans ebenfalls. Es hält sich aber noch in Grenzen. Ich begebe mich ins Touristen-Office, buche eine Bustour zu den Cliffs of Moher und zum Burren, dem Hochplateu südlich von Galway. Zudem buche ich die Fähre nach Inismore (Arann Islands). Dann kaufe ich schnell im Dunnes Store noch ein Baguette und ein paar Cracker. Salami hatte ich von zuhaus mitgenommen. Dann laufe ich zur Merchants Road, wo der Bus abfahren soll. Ich bezahle die Restgebühr, steige in den Bus und es geht los.

 

 

Wir haben einen tollen Busfahrer („Ein Hoch auf unsern Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer, ….“) und er fragt erstmal wo wir alle herkommen. Es sind Italiener dabei und Spanier und Schweizer und Deutsche und Japaner und Amerikaner und eine Australierin und ein Franzose …. Je näher wir dem Burren kommen, desto weniger wird der Regen, bei der Ankunft an der Farm, von wo aus die Walking Tour starten soll, nieselt es nur ganz wenig. John führt uns auf dem Privatgelände seiner Familie umher – sie besitzen 2 Hügel im Burren! Ich möchte zwar nicht wissen, in wieviel Kuhscheiße ich tatsächlich während der Wanderung getreten bin, aber das ist auch relativ egal – Die Wanderung war es wirklich wert. Die Landschaft ist wunderschön, man glaubt auf den ersten Blick, alles sei grau. Doch überall wächst Gras und sogar bunte Blüten findet man dort! Den Burren nur im Bus – wie viele der Touren es anbieten – zu erkunden, ist das schwachsinnigste, was man tun kann. Den Burren muss man erleben, sehen, fühlen, riechen…. Die Aussicht ist wunderbar, die Sonne kommt sogar raus, ich kann bis zum Meer sehen. Die Kalksteinformationen sehen sehr interessant aus. John erzählt uns einiges über die Landschaft und auch die Geschichte. Beispielsweise bringen die Bauern hier ihr Vieh im Winter den Berg hinauf, weil es auch im Winter angenehm warm ist und das Gras sich so über den Sommer erholen kann. Zudem zeigt er uns, dass trotz des ewigen Regens der Boden kaum feucht ist, was daran liegt, dass der Kalkstein das Wasser aufnimmt. John erzählt uns auch, wie die Iren früher im Burren wichtige Weisheiten weitergegeben haben. Alles wurde in Legenden und Mythen und kleine Geschichten verpackt. Zum Beispiel heißt es vom Burren, dass er Dir die Seele aussaugt, wenn du den Berg erklimmst und du dann keine Kraft mehr hast, wieder nach Hause zurückzukehren. Darum soll man etwas zu Essen mitnehmen um wieder Energie zu erhalten. Für mich klingt das logisch. John zeigt uns auch die Mauern, die auf den Bergen errichtet wurden. Ja, tatsächlich, es gibt in den Bergen Mauern, die sich einfach vom Fuß des Berges bis an die Spitze erstrecken und aussehen, als sollten sie den Berg einteilen. Doch dahinter steckt eine trauriger, meiner Meinung nach schlimme Geschichte. Zur Zeit der großen Hungersnot in Irland hatten die Menschen nichts mehr zu essen. Die britischen Besatzer sagten sich: Naja, wir wollen ja keine Unmenschen sein, wir geben ihnen Essen. Allerdings nicht umsonst. Sie sollten für die Briten arbeiten. Aber statt Straßen oder irgendwas zu bauen, sollten die Iren nur diese Mauern errichten, die vornehmlich in die Berge hinaufführen. Diese Mauern erfüllten keinen Zweck. Die Briten hatten nur Angst, dass Irland eine wirtschaftliche Bedrohung werden könnte, wenn sie zum Beispiel die Infrastruktur ausbauen. *kopfschüttel* Das hat mich sehr überrascht, sehr enttäuscht, etwas traurig gestimmt…..
Wie die Kinder den Burren genutzt haben, zeigt John uns auch. Es gibt den sogenannten „Sliding Stone“ – das bedeutet, man rutscht auf einem Stein eine Kalksteinfläche hinunter. Zuerst probiert es eine Schweizerin, dann eine Spanierin, dann ein Italiener, dann ein Schweizer… und ich kann ja nicht auf mir sitzen lassen, dass die da um die beste Rutschparty ohne Dschörmeni kämpfen… Also setze ich mich auch auf den Stein und ……. scheitere kläglich, ich falle um und bin danach total weiß ^^

Wir wandern wieder nach unten und ab in den Bus – Immer noch schönes Wetter! Und unser Busfahrer meint (es ist bereits um 1), dass er normalerweise jetzt erstmal nach Doolin zum Lunch fährt, aber weil so schönes Wetter ist und man nie weiß… Und so fahren wir eben erstmal zu den Cliffs of Moher, erreichen diese also auch noch bei Sonne. Die Cliffs sind unbeschreiblich, incredible, unbelievable…. Es ist hoch, es ist windig, es ist ….. Ich könnte tausende Fotos machen….. Und ich glaube, die Fotos sagen auch mehr als Worte je ausdrücken könnten…. Ich finde auch nichts, wie ich euch erklären könnte, wie es dort ist….. Leider haben wir nicht so viel Zeit und müssen wieder zurück zum Bus…..

 

Und direkt als wir wieder im Bus sitzen, 5 Meter nach den Cliffs fängt es an zu regnen und bleibt auch den ganzen Nachmittag so. In Doolin – bekannt für seine traditionelle Musik- und Pubszene – essen wir zu Mittag, und fahren dann an der Küste zurück in Richtung Galway. Dabei gibt es noch eine kleine Sehenswürdigkeit: Black Head. Der Kalkstein ist ja eigentlich sehr hell (zumindest grau). Und bei Black Head wird er total schwarz. Und natürlich gibt es dazu auch eine Geschichte. Ein Pirat hatte den Menschen ganz viel grausames angetan und der Lehan (glaube ich zumindest, dass er so heißt, der keltische Meeresgott) hat diesen Piraten an die Klippen geworfen und prompt wurde er zu Stein und der Stein färbte sich so schwarz wie seine Seele war. Angeblich sieht man in den Klippen das Gesicht (eben den Black Head), aber da es so viel regnet, kann ich nicht klar aus dem Fenster schauen und sehe ihn leider nicht :( Während der Bustour habe ich mich mit Yero (wie Hero ausgesprochen, bloß mit Y), einem Schweizer unterhalten – er spricht neben Französisch und Englisch auch gut Deutsch – und wir verabreden uns mit ein paar Deutschen und einer anderen Schweizerin für den Abend in Galway in einem Pub mit Life Musik.

Da es erst 17.30 Uhr laufe ich wieder zu meinem B&B, aber es regnet extrem und so wird meine Hose bis über die Knie nass und auch mein Rucksack ist durchnässt. Ich hänge alles auf, ziehe mich um und kuschel mich ins Bett, um mich ein wenig aufzuwärmen. Dann mache ich mich auf und nehme vorsichtshalber den Bus nach Galway, weil ich keine nassen Schuhe bekommen möchte. In Galway laufe ich vom Eyre Square zu Shop Street – und bin begeistert. So lebhaft, so viele Pubs, so viele Shops… Nice, very nice. Wir treffen uns in einem Pub namens Taaffes. Wir unterhalten uns, trinken ein bisschen, treffen noch zwei andre Schweizer – die aber aus dem deutschen Teil kommen – , wir genießen die Life Musik. Und dann stelle ich mich an eine anderen Platz innerhalb unserer Gruppe, weil bei mir ständig Leute vorbeilaufen und das nervt. Und auf einmal höre ich zwei junge Männer über History sprechen und mische mich ins Gespräch ein und wir unterhalten uns ganz nett und kommen auch auf die Arann Islands zu sprechen und dann sagen die beiden doch tatsächlich, dass sie auch für den nächsten Tag eine Fähre gebucht haben. Solche Zufälle gibt es doch echt nicht! Als die anderen von der Gruppe weiterziehen, gebe ich Yero noch schnell meine Visitenkarte, aber ich gehe nicht mit, bleibe bei Ronan und Mo und unterhalte mich weiter mit den beiden. Ronan ist aus Irland, wohnt seit einiger Zeit in Galway, Mo heißt eigentlich Mohammed, kommt aus den Niederlanden und die beiden sind Mediziner und haben sich in Sambia kennengelernt. Da Ronan ein Auto hat, bietet er mir an, mich am nächsten Tag abzuholen und mit nach Rossaveal zu nehmen, wo die Fähre ablegt. Ronan und ich tauschen Handynummern aus und die beiden bringen mich zum Taxi. Der Taxifahrer verfährt sich zuerst noch…. Irgendwann bin ich im B&B und falle wieder totmüde ins Bett.

 

 

1. Nachtrag: Sligo

Schon etwas her, aber ich war letztes Wochenende in Sligo (19./20. Juli).
Unten könnt ihr Bilder sehen und wenn ihr drauf klickt, gibts sogar zu jedem Bild ne Erklärung, wobei ihr auch gleich ahnen könnt, was ich alles gemacht habe.

Ich bin 9 Uhr am Samstagmorgen mit dem Zug von Dublin nach Sligo gefahren. Dort angekommen, erstmal ins Touristen-Office. Enttäuschung: Der Bus zu dem See, wo ich eigentlich hinwollte, fährt nur Montags, Mittwochs und Freitags. Echt blöd. Habe mir dann erstmal kurz die Stadt angesehen und bin dann mit einem anderen Bus zum Knocknarea gefahren. Das ist ein Berg, auf dem ein Hügelgrab sein soll, angeblich von der legendären Queen Maeve. Leider habe ich niemanden gefunden, der mir diese Legende mal hätte in Ruhe erklären können. Außerdem ist diese Aufschüttung an Steinen noch nie erforscht worden – man weiß also gar nicht, ob da ein Grab drunter ist. Trotzdem bin ich auf den Berg rauf und habe auch der Tradition entsprechend vom Fuß des Berges einen Stein mitgenommen, um ihn oben auf dem Grab zu platzieren. Und auf dem Berg bin ich etwas rumspaziert, habe das Meer gesehen und ein kleines Dorf direkt am Meer von oben….. mmmh, zu gern wäre ich da mal hingegangen, das sah sehr schön aus von oben……

Dann bin ich vom Berg wieder runter und weil kein Bus zurückfuhr, bin ich die Strecke nach Sligo gelaufen. War anstrengend und meine Beine taten weh, aber sooo ewig weit weg war es gar nicht. Dann bin ich noch in einen Pub, habe Postkarten geschrieben (nur 3) und bin dann in mein Hostel zurück (siehe wunderschöne Wolkenformationen). Im Hostel waren mittlerweile zwei Mädels aus Deutschland eingezogen und wir haben noch bissl gequatscht.

Sonntag bin ich dann morgens los, wollte einen Morgenspaziergang machen, bin bis zum Institute of Technology gelaufen, habe auch das Yeats Village gesehen und bin dann wieder in die Innenstadt, dort erstmal gefrühstückt, noch paar Fotos gemacht, dann in die Abbey gegangen und da ansonsten die meisten Sachen geschlossen hatten, habe ich schon 15 Uhr den Zug nach Dublin genommen.

Und abends sind wir dann noch ins Kino zu Sex and the City (Jana, Verena, Jana, Peter und ich).

 

Montag – Newgrange, Einkauf, Castle

Ich werde die drei Tage doch mal teilen, weil es sonst einfach zu viel würde. Leider kann ich heut auch nicht so viel schreiben, einmal aus Zeitgründen, zweitens weil ich nicht so in der Stimmung bin, hänge meinen eigenen Gedanken nach, yes indeed I am upset……

Montag sind wir nach Newgrange gefahren, das ist ein Ganggrab von der neolithischen Kultur hier in Irland; Newgrange ist 500 Jahre vor den Pyramiden in Gizeh entstanden und 1000 Jahre vor Stonehenge. Die Steine wurden aus entfernten Gebieten herangeschleppt (die großen 25km entfernt, die grauen runden Dinger 50 km, und die kleinen weißen aus den Wicklows, rund 70 km Luftlinie). Ich habe für meine Eltern übersetzt, obwohl sie teilweise auch was verstanden haben :)

Dann wollten wir noch für die kleinen Törtchen Erdbeeren holen und weil wir einmal bei Lidl waren, hat Mama gleich gesagt, ich könne ja das einpacken, was ich noch so brauche, weil wir ja mit dem Auto da sind und ich es somit nicht schleppen muss. Das Ergebnis seht ihr ja… und Annes Kühlschrank und Küche ist jetzt sooooo voll…. ^^

Dann sind wir noch nach Balbriggan gefahren zum Ardgillan Castle. Das ist wunderschön dort, die haben tolle Picknick-Wiesen, eine sogar richtig mit Blick auf Meer. Da werd ich sicherlich nochmal hinfahren und nen Tag dort verbringen (Picknick, lesen, sonnen, relaxen, …)